Arbeit und Erwerb

BESCHÄFTIGUNG UND ARBEITSLOSIGKEIT

In der Ostschweiz sind rund 480’000 Personen beschäftigt. Somit arbeitet hierzulande rund jede zehnte Person in der Ostschweiz. Dabei fällt auf: Die strukturelle Arbeitslosigkeit ist in der Ostschweiz tief – sowohl im internationalen als auch im nationalen Vergleich. Der Kanton Appenzell Innerrhoden weist gar regelmässig die tiefste Arbeitslosenquote schweizweit auf.
2022 herrschte in der Ostschweiz mit einer Arbeitslosenquote von 1,7 % nahezu Vollbeschäftigung (Schweiz: 2,2 %). Besonders erfreulich ist auch die tiefe Jugendarbeitslosigkeit von 1,6 % (Schweiz: 2,0 %).

In der Ostschweiz geniesst die Berufsbildung einen hohen Stellenwert. 58,5 % aller Personen weisen eine Berufsbildung oder eine höhere Berufsbildung als höchsten Bildungsabschluss nach (gegenüber 49,9 % schweizweit). Von der Beliebtheit der Berufsbildung zeugen auch die vergleichsweise tiefen gymnasialen Maturitätsquoten in den Ostschweizer Kantonen (2020: 15,2 % SG, 15,7 % TG, 15,3 % AR, 18,1 % AI,
22,2 % CH). Die meisten Lehrabschlüsse gibt es in der Ostschweiz in den Ausbildungsfeldern Wirtschaft und Verwaltung sowie Gross- und Einzelhandel. Bei den Hochschulabschlüssen sind schweizweit Recht sowie Wirtschaftswissenschaften am beliebtesten.

ARBEITSMARKTBETEILIGUNG

Die Arbeitsmarktbeteiligung ist in der Ostschweiz geschlechterübergreifend höher als im Schweizer Durchschnitt. Mehr als vier von fünf Personen im erwerbsfähigen Alter gehen einer Arbeit nach. Appenzell Innerrhoden verzeichnet mit 85,8 % sogar klar die höchste Erwerbsquote schweizweit.

Immer mehr Ostschweizerinnen und Ostschweizer arbeiten in einem reduzierten Pensum. 2002 waren es 8 % der erwerbstätigen Männer und 55 % der erwerbstätigen Frauen, heute sind es 18 % resp. 60 %. Einer der Hauptgründe für Teilzeitarbeit ist die Kinderbetreuung, wobei in der Ostschweiz traditionelle Familienmodelle weiterhin vorherrschend sind.

Die jährliche Arbeitszeit pro Person im erwerbsfähigen Alter sank in den letzten dreissig Jahren deutlich. 2019 – also im Jahr vor der Pandemie – betrug die durchschnittliche Arbeitszeit in der Grossregion Ostschweiz 1320 Stunden – und damit 3,5 Stunden weniger pro Arbeitswoche als noch 1991, wenn man mit fünf Wochen Ferien rechnet. Dass das Arbeitsvolumen im gleichen Zeitraum insgesamt dennoch anstieg, ist dem
Bevölkerungswachstum der 15- bis 64-Jährigen in diesem Zeitraum zuzuschreiben.


Die reduzierte Arbeitszeit pro Kopf ist dabei vor allem auf mehr Ferien und weniger Arbeitsstunden pro Vollzeitstelle zurückzuführen – und nicht auf den Teilzeittrend. Denn die Arbeitsmarktbeteiligung und insbesondere der durchschnittliche Beschäftigungsgrad sind in der Grossregion Ostschweiz in den letzten zehn Jahren gestiegen. Massgeblicher Treiber dafür war, dass Frauen verstärkt am Arbeitsmarkt partizipieren.

PENDLERBEWEGUNGEN

Wichtigste Pendlerströme zwischen den Gemeinden
2018

Die Stadt St. Gallen verzeichnet innerhalb der Ostschweiz die meisten Pendlerbewegungen. Auch im Rheintal gibt es starke interkommunale Pendlerbewegungen. In den Ostschweizer Kantonen sind rund 16’500 Grenzgängerinnen und Grenzgänger beschäftigt. Sie arbeiten vorrangig im Maschinenbau (1640 Beschäftigte), im Gesundheitswesen (1403) und im Grosshandel (986).
Damit sind in der Ostschweiz 3,2 % aller Beschäftigten Grenzgänger/-innen. Innerhalb der Ostschweiz ist dieser Wert in St.Margrethen mit rund 19 % am höchsten, schweizweit sind es 6,4 %.